Reinhard-Berger-Tauchpokal des Bezirksverbands Schwaben in Sinningen

Hochwassereinsätze

Einsätze fernab der Routine

Die BRK Kreis-Wasserwacht Neu-Ulm ist nicht nur für den Wachdienst an den Seen zuständig und rückt mit ihren „Schnelleinsatzgruppen Wasserrettung“ aus, wenn an den Seen und Flüssen des Landkreises Menschen in Not sind. Auch bei etlichen Hochwasserkatastrophen waren unsere Helfer im Einsatz.

Pfingsthochwasser Neu-Ulm 1999

Besonders erwähnenswert ist das Pfingsthochwasser im Jahr 1999. In Neu-Ulm lief das Wasser vom neu eröffneten Freizeitbad Atlantis durch die Schützenstraße in die Innen­stadt und wurde erst dort durch einen Sandsackwall aufgehalten. Große Teile der Stadt waren nur noch mit den schweren LKWs der Bundes­wehr und mit den Booten der BRK-Wasserwacht zu erreichen. Unsere Helfer unter­stützten bei der Eva­ku­ierung des Kranken­hauses, befreiten etliche Anwohner aus eingeschlos­senen Häusern und aus dem Freizeitbad Atlantis. Betrachtet man die Wasser­stände und die Abflüsse insbesondere der Iller, kommt ein Ereignis wie das Pfingst­hoch­wasser 1999 statistisch gesehen nur alle 100 bis 200 Jahre vor. Nach dem Hochwasser wurden im gesamten Landkreis Neu-Ulm Maßnahmen zum Hoch­wasser­schutz vorgenommen und optimiert. Beispielsweise ist seitdem die Neu-Ulmer Innen­stadt durch feste Beton­wände gegen die Donaufluten geschützt.

Oderflut Sachsen 2002

Im August 2002 war ein Einsatz in einer Größenordnung zu meistern, die noch niemand bei der BRK Kreis-Wasserwacht Neu-Ulm vorher erlebt hat – und die bis heute zum Glück nicht noch einmal vorkam. Die Pegel der Elbe und mehrerer Neben­flüsse erreichten in Sachsen bis dato niemals erlebte Pegel. Oft wurde deshalb von einer Jahr­tausend­flut gesprochen. Viele Brücken wurden wegge­rissen, Straßen unterspült, Häuser überflutet und schwer beschädigt, die Strom- und Telefonversorgung brach zusammen, ganze Dörfer waren von der Außenwelt abge­schnitten. Aus ganz Deutschland wurden Helfer angefordert. Eine erste Gruppe Helfern der BRK-Wasserwacht machte sich mit der BRK-Bereitschaft auf in das Katastrophengebiet, um zu helfen. Nach einer halben Woche wurden weitere Einheiten nachalarmiert, zunächst um die Kameraden im Einsatz abzulösen. Schnell wurde aber klar, dass nicht nur Sanitäter, sondern auch Helfer für die Wasserrettung im Einsatzgebiet gefragt waren. Weitere Aktive von der  BRK Kreis-Wasserwacht Neu-Ulm machten sich schließlich auf den Weg in diesen ungewissen Einsatz. Nach zwölf Stunden Fahrt im Konvoi des BRK-Bezirks­verbands Schwaben erreichten wir den Einsatzort Pirna bei Dresden. Einer unserer Aufträge war es, den Bundesgrenzschutz und Betroffene mit Hoch­wasser­booten und Wathosen durch das mit Heizöl und Klärschlamm verschmutzte Wasser zu ihren Häusern zu fahren. Mittlerweile war das Wetter sommerlich und heiß. Die Flut konnte trotz allem nicht zurückweichen, weite Landschafts­züge und tiefer liegende Stadtteile waren noch Tage und Wochen über­schwemmt. Für den nächsten Tag haben wir einen Spezial­einsatz übernommen. Entlang eines über­schwemmten Landungsstegs für den Fähr­betrieb sollten drei Elektriker zu einer Wasser­pump­station mitten im über­schwemmten Gebiet befördert werden, um dort mit der Instandsetzung zu beginnen. Nach erfolgreicher und sehr guter Zusammenarbeit fuhren wir wieder in unsere Einsatz­zentrale. Nachdem schließlich im Einsatzgebiet der Kata­strophen­alarm aufgehoben wurde, setzten wir noch am selben Abend bei der Einsatz­leitung den Wunsch durch, die Betroffenen direkt mit Lebensmitteln aus den Zentraldepot versorgen zu dürfen und auch bei der Räumung von Wohnungen zu helfen. So konnten wir erstmals einen Einblick in die Zerstörungen des völlig verwüsteten Müglitztals gewinnen. Die Dankbarkeit der Menschen zu erleben, wenn man ihnen nur etwas Wasser und Lebensmittel bringt, wiegt jeden einzelnen Tag auf, den wir für den Einsatz aufgebracht haben.

Insbesondere der Einsatz in Sachsen – der größte deutsche Katastrophen­einsatz der Nachkriegs­geschichte – hat zu intensiven und konstruktiven Diskussionen innerhalb der höheren Verbandsebenen der BRK-Wasserwacht geführt. Als Konsequenz aus den Erfahrungen wurden mit dem „Einsatz­leiter Wasser­rettungs­dienst“ an der Spitze vollkommen neue und einheitliche Führungs­strukturen gebildet. Mit der Konzeption des Wasserretter-Lehrgange wurde die Helfer­ausbildung an die aktuellen Erfordernisse angepasst. Spezielle Hochwasser­anhänger mit Booten, die in extrem flachem Wasser agieren können, wurden angeschafft. Bayernweit wurden neben den Schnell­einsatz­gruppen sogenannte Wasser­rettungs­züge aufgestellt, die aus den Teilkomponenten Zug­führung, Zugtrupp und jeweils zwei Tauch- und Bootstrupps zusammengesetzt sind. Diese können fortan überregional eingesetzt werden und zeichnen sich dadurch aus, dass sie wegen ihrer standardisierten Material- und Personal­ausstattung ohne Schwierigkeiten austauschbar sind und optimal mit anderen Einheiten zusammenarbeiten können.

Mehr zu unserer Mitarbeit im Wasserrettungszug Schwaben

Hochwasser Neu-Ulm 2005

Im August 2005 kamen erneut verschiedenste ungünstige Faktoren zusammen. Iller und Donau schwollen zu reißenden Flüssen an. Die Hoch­wasser­stände und Abflussmengen übertrafen teilweise sogar die von 1999. Trotzdem waren die Auswirkungen weitaus geringer, die Schutzmaßnahmen haben Schlimmeres verhindert und dem Wasser standgehalten. Trotzdem wurden die Einheiten der BRK Kreis-Wasserwacht Neu-Ulm alarmiert, um sich für einen drohenden Hoch­wasser­einsatz bereit­zu­halten. In den folgenden Stunden wurden wir eingesetzt, um zusammen mit der Bundeswehr Sandsäcke zu befüllen. Der nächste Einsatz war die Evakuierung einer Schrebergartensiedlung in der Nähe des Atlantis-Freizeitbades, zu dieser Zeit noch trockenen Fußes. Anders war die Lage um die Gaststätte „Silberwald“. Die Iller hat den gesamten Auwald überflutet und floss teilweise mit reißender Geschwindigkeit. Mit den in Senden eigens für solche Zwecke stationierten Hochwasserbooten konnten die Gaststätte evakuiert und sieben Personen aus dem von Wasser umschlossenen Haus in Sicherheit gebracht werden.

Dank den Arbeitgebern

Besonderer Dank gilt bei allen Katastropheneinsätzen zunächst den Ehrenamtlichen, die teilweise bis an ihre physischen und psychischen Grenzen gehen, um ihren Mitmenschen zu helfen. Gleichzeitig gilt unser Dank allen verständnisvollen Arbeitgebern, die unsere Helfer unkompliziert und spontan freistellen, um in den Katastropheneinsatz zu gehen!